Das jüdische Erbe der Ukraine

Created by

Deborah Haupt

14. Juni 2022

Die jüdische Geschichte im heutigen ukrainischen Gebiet begann vor etwa zweitausend Jahren. Es gab Kriege, wechselnde politische Regime, antisemitische und nicht-antisemitische Maßnahmen und wechselnde Staatsgrenzen, aber dennoch gab es eine jüdische Gemeinschaft, die in vielerlei Hinsicht blühte. Forscher erklären jedoch selbstbewusst, dass die ukrainische jüdische Gemeinde eine der ältesten der Welt ist.

Die Mauern alter ukrainischer Städte erzählen Geschichten über berühmte und reiche jüdische Familien ebenso berichten die Bücher von Schalom-Aleichem von armen aschkenasischen Juden.

Was ist wichtig zu über die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft in der Ukraine zu wissen? Zum Beispiel entstand und entfaltete sich auf ukrainischem Boden eine Erweckungsbewegung, der Chassidismus. Außerdem war die Ukraine im 17. Jahrhundert ein Zentrum für das hebräische und jiddische Verlagswesen. Die Ukraine hatte viele architektonisch einzigartige Holzsynagogen, die durch den Zweiten Weltkrieg verloren gingen. Auf ukrainischem Gebiet entwickelte sich auch eine wunderbare Musiktradition der aschkenasischen Juden. Und wir können stundenlang über die ukrainischen Juden sprechen, die heute auf der Ehrentafel der jüdischen Weltgemeinschaft stehen.

Die antijüdischen Pogrome Ende des 19. Jahrhunderts und der Holocaust hatten eine zerstörerische Wirkung auf die jüdische Identität – so viele Juden, die überlebten, versuchten, ihre Identität zu verlieren, nur um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Die antisemitische Politik der Sowjetunion trug ebenso dazu bei, ein buntes jüdisches Leben zu unterbinden.

Im Grunde können wir in der modernen unabhängigen Ukraine eine Renaissance der jüdischen Gemeinschaft beobachten, von der viele orthodoxe Rabbiner immer wieder sprechen.

Es ist wichtig zu wissen, dass vor dem Zweiten Weltkrieg 2,35 Millionen Juden in der Sowjetrepublik Ukraine lebten. Und nach dem Ende des Krieges waren es 850 Tausend Juden. Die Zahlen sind nur annähernd.

In der Nachkriegszeit ist die jüdische Bevölkerung laut den Volkszählungen in der Ukraine in jedem Jahrzehnt (bis 2006) stetig zurückgegangen. Nach den offiziellen Statistiken gab es 108 556 Juden im Jahre 2006. Dies ist die letzte offizielle Statistik.

Im Jahr 2019 sagte der Vizepremier der Ukraine, dass mehr als 120.000 Juden und Menschen mit jüdischen Familienwurzeln in der Ukraine leben.

Es gibt einige starke religiöse und kulturelle jüdische Gemeinden in der Ukraine – sie sind in Kiew, Charkiw und Dnipro ansässig. In Lviv beispielsweise entwickelt sich die jüdische Gemeinde sehr schnell, aber hauptsächlich auf kulturellem Gebiet. Heutzutage gibt es 40 aktive Synagogen.

Wegen des russischen Einmarsches in die Ukraine im Februar 2022 sind alle modernen Informationen mehr oder weniger für das Jahr 2021 relevant. Zum Beispiel können wir in letzter Zeit über die neue ukrainische Alijah sprechen, die durch den Krieg verursacht wurde.

Kristina Golomakh-Meir

Übersetzung aus dem Englischen von Deborah Haupt

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